Stefan Grass
Leiter von 2000 bis 2022 des Komitees Olympiakritisches Graubünden
2019: Kaum jemand möchte noch Olympische Winterspiele. Das liegt auch an einem harten Gegner aus der Schweiz.
2018: Seit den Olympischen Winterspielen in Turin 2006 zeigt sich die fehlende Sinnhaftigkeit von solchen Sportgrossveranstaltungen im Alpenraum. Stefan Grass, Leiter des Komitees Olympiakritisches Graubünden, der seit 18 Jahren die Kandidaturen für Olympische Winterspiele in Graubünden für 2010, 2014, 2022 und 2026 erfolgreich bekämpfte, zieht Bilanz.
2018: Stefan Grass hat die Kandidatur für Olympische Spiele in Graubünden gebodigt. Jetzt soll er Sion 2026 verhindern.
Mauspfeil auf dem Titel zeigt Medium, Datum und Lead:
28.02.2026
Umwelt Graubünden beurteilt in einer Eingabe an den Bundesrat die Schweizer Kandidatur für die Olympischen Winterspiele 2038 in mancher Hinsicht kritisch. Es drohen Fehlinvestitionen, Kostenausweitungen und grossräumige Umwelteingriffe wie bei Milano Cortina 2026. (Umwelt Graubünden)
In seiner ausführlichen Vernehmlassungsantwort zuhanden des Bundesrates Martin Pfister geht der Dachverband der Bündner Umweltorganisationen zuerst auf die Erfahrungen mit den Winterspielen 2026 im norditalienischen Alpenraum ein. Trotz der anfänglichen Versprechen, keine neuen Sportstätten zu benötigen, wurden schliesslich insgesamt 98 Bauvorhaben mit einem Volumen von 3.5 Milliarden Euro ausgeführt. In diesen Angaben nicht enthalten sind weitere 44 Olympiavorhaben, finanziert von der Region Lombardei in der Höhe von 3.8 Milliarden Euro. Damit einher gingen massive Umwelteingriffe, wie die weiträumigen Ausbauten in Livigno für den Privatverkehr, Pisten- und Bahnanlagen sowie die Umgestaltung eines Berghanges für die Freeride- und andere Wettkämpfe. Auch landschaftsfressende Ersatzanlagen wie die neu gebaute Bobbahn in Cortina und zwei zusätzliche Skisprungschanzen in Predazzo oder ein Speichersee in einem Wald bei Antholz kamen hinzu. Insgesamt wurden 64% aller Vorhaben ohne Umweltverträglichkeitsprüfung ausgeführt, wobei die letzten Bauprojekte erst 2033 beendet werden.
Dazu meint Kaspar Schuler, Präsident von Umwelt Graubünden: «Von Nachhaltigkeit war keine Spur. Die Olympischen Winterspiele 2026 sind ein Höhepunkt alpiner Bauwut. In der Erinnerung der Menschen bleibt der Medaillensegen. In der leicht zu beschädigenden alpinen Landschaft hingegen bleiben schwere Narben und in der Volkswirtschaft umfangreiche Fehlinvestitionen zurück. Das muss eine Warnung für uns sein. Das darf sich in der Schweiz nicht wiederholen.»
Unabsehbare Folgekosten für Graubünden
Mit Blick auf die Schweizer Kandidatur weist Umwelt Graubünden auf die grossen finanziellen Risiken und die Unverbindlichkeit des Kandidaturdossiers hin. Nach einem Zuschlag durch das IOC werden vom Bund über die Kantone bis zu den Gemeinden Sachzwänge mit Umweltschäden und Folgekosten entstehen, die nicht mehr abgewendet werden können. Sie würden die zurzeit angesagten Bundesbeiträge von insgesamt 200 Mio. Franken plus nur schwammig «in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe» umrissene Kosten für Sicherheitsmassnahmen übersteigen. Der Bund will nur die Armeekosten tragen und alle anderen zu den Kantonen schieben, die auch Graubünden zu tragen hätte.
Umwelt Graubünden bezweifelt, dass diese Investitionen für den Wintertourismus nach 2038 nachhaltig sind, wie Armando Lenz, Geschäftsleiter der Pro Natura Graubünden ausführt: «Die Bewerbung setzt auf den Ausbau des klimatisch heiklen Wintertourismus, obwohl dieser von der immer unwahrscheinlicheren Schneesicherheit abhängt. Die riesigen Gelder machen Graubündens Tourismus weder resilienter noch pflegen sie die Landschaft, den wichtigsten Wert im Tourismus.»
Umwelt Graubünden stellt darum rahmensetzende Forderungen an die nationalen Behörden, ohne welche eine Schweizer Kandidatur in einem Finanz- und Umwelt-Debakel enden würden:
All das müsste eingehalten werden, um als Land ein weltweites Vorbild zu werden, das Konflikte diskursiv und transparent verhandelt und so die Grundlage für nachhaltige, völkerverbindende und friedensfördernde Winterspiele schafft, die dezentral organisiert sind und mit den Schweizer Alpen als Austragungsort rücksichtsvoll umgehen.
Für weitere Auskünfte
Kaspar Schuler, Präsident Umwelt Graubünden, 079 – 702 86 52
Umwelt Graubünden beurteilt in seiner Stellungnahme an
den Bundesrat die Schweizer Kandidaturabsichten für die Olympischen
Winterspiele 2038 kritisch. Es drohen Fehlinvestitionen,
Kostenausweitungen und grossräumige Umwelteingriffe wie bei Milano
Cortina 2026.
In seiner Vernehmlassungsantwort zuhanden des Bundesrates Martin
Pfister werden zuerst die Realitäten der Winterspiele 2026 im
norditalienischen Alpenraum beschriebenen. Es wurden trotz
anderslautenden Versprechen neue Sportstätten errichtet (u.a. in
Predazzo, Livigno, Cortina) , bestehende massiv ausgebaut (u.a. in
Antholz) und insgesamt über 7 Milliarden Euro ausgegeben.
Ein gut begründeter Forderungskatalog, mitgetragen von verschiedensten NGOs, soll dem drohenden Umwelt- und Finanz-Debakel entgegenwirken.